Tag zwei nach der AfD-Wahl in Magdeburg: Merz verurteilt die Stimmen für Rausch, warnt aber vor „voreiligen Schlussfolgerungen“
Die CDU in Sachsen-Anhalt steht vor einer Zerreißprobe, die SPD stoppt eine Initiative für eine überparteiliche Regierung, und BSW und AfD wollen gemeinsam einen Ukraine-Antrag durchbringen.
Einen Tag nach der Wahl von Tobias Rausch (AfD) zum Landtagspräsidenten hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich geäußert. Nach den Berichten von Spiegel, Zeit, Tagesschau und Süddeutscher Zeitung kritisierte er die Stimmen aus anderen Fraktionen für den AfD-Kandidaten, warnte aber zugleich vor voreiligen Schlussfolgerungen: Die Wahl war geheim, wer abstimmte, ist nicht belegt. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst nannte den Vorgang einen tiefen Einschnitt in unsere Republik. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, Merz habe damit ein neues AfD-Problem. Die Tagesschau berichtet, die CDU-Fraktion in Magdeburg stehe nach der Abstimmung über das Präsidium vor einer Zerreißprobe. Spiegel und Zeit verweisen auf den Streit in der CDU, der AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund im Dezember ins Amt des Ministerpräsidenten bringen könnte. Die AfD behauptet, für dessen Wahl bereits einen Deal mit CDU-Abgeordneten gemacht zu haben; belegt ist das nicht.
Die SPD zog Konsequenzen: Nach Zeit-Berichten stoppte sie eine Initiative für eine überparteiliche Regierung in Sachsen-Anhalt, ihre Bundesspitze fordert von der CDU Aufklärung. Grünen-Chef Felix Banaszak warnte vor einer schleichenden Normalisierung der AfD. Parallel kündigten das BSW und die AfD in Magdeburg an, gemeinsam einen Antrag zur Ukraine zu verabschieden; Zeit zufolge fordern sie einen Stopp der deutschen Ukrainehilfe. Das Handelsblatt schreibt, Union und SPD gerieten zwischen die Brandmauern, die FAZ meldet, die Koalition sehe eine historische Bewährungsprobe für die Demokratie. Am Abend kommt in Berlin der Koalitionsausschuss zusammen.