Huthi-Angriff auf Riad treibt den Ölpreis. Trump: Kein Angriff auf Iran vor den Zwischenwahlen
Die Huthi melden einen neuen Angriff auf den Flughafen von Riad, Lufthansa und indische Airlines streichen Flüge. Der WTI-Preis steigt um 3,6 Prozent. Trump legt sich fest, doch seine Aussagen zu Iran bleiben widersprüchlich.
Der Konflikt um Iran und den Jemen hat am Donnerstag erneut die Märkte bewegt. Die Huthi-Miliz meldete einen neuen Angriff auf den Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad. AP berichtet unter Berufung auf einen Augenzeugen von einer Evakuierung, Reuters meldete Rauch über einem Flugzeug am Flughafen. Das Ausmass der Schäden ist unabhängig nicht geprüft. Die Lufthansa und indische Fluggesellschaften setzten ihre Flüge nach Riad aus, wie Reuters schreibt. Zur Lufthansa-Gruppe gehört auch Swiss; ob sie ihr Angebot anpasst, haben wir nicht geprüft. Die NZZ meldet in ihrem Live-Ticker, Saudi-Arabien habe im Gegenzug 82 Huthi-Ziele im Jemen angegriffen; das ist bisher eine Einzelmeldung. Laut Reuters erwägen Syrien und die Türkei Hilfe für Riad, wobei Ankara eine Beteiligung an Offensiven ausschliesst. Am Ölmarkt stieg die amerikanische Sorte WTI um 3,6 Prozent auf rund 91,5 Dollar je Fass. Iran droht zudem, weitere Routen durch die Strasse von Hormus zu sperren; Reuters sieht damit ein höheres Risiko für Tanker. Washington verhängte neue Sanktionen gegen die iranische Schattenflotte. Durch die Strasse von Hormus fährt ein grosser Teil des weltweit gehandelten Öls, schon Drohungen genügen deshalb, um die Preise zu bewegen. AP berichtet, die US-Börsenfutures hätten nach den Explosionen in der saudischen Hauptstadt nachgegeben, während das Rohöl stieg. Reuters schreibt ausserdem, dass nach Beschuss saudischer Flughäfen auch Syrien über Hilfe im Jemen-Krieg nachdenke. Das zeigt, wie schnell sich der Konflikt regional ausweiten kann.
Politisch sorgte Donald Trump für Bewegung. Die USA würden Iran vor den Zwischenwahlen im November nicht angreifen, sagte er laut Reuters, FT, NZZ und Bloomberg. Bloomberg TV zitierte ihn ausserdem mit der Aussage, es habe «produktive Gespräche» mit Iran gegeben, Angriffe würden ausgesetzt; kurz darauf hiess es dort, er suche keinen Deal mehr. Beide Zitate stammen aus Kurzmeldungen, den Wortlaut haben wir nicht geprüft. Für die Schweiz zählen drei Dinge. Erstens der Preis: Ein teures Fass verteuert Heizöl, Benzin und Flugtickets mit etwas Verzögerung. Der Ryanair-Chef sagte laut Reuters, der «unsinnig hohe» Kerosinpreis könne bis 2028 anhalten. Zweitens die Inflation: Der Fed-Notenbanker Waller sagte laut Reuters, es brauche weitere Zinserhöhungen, beim Tempo gebe es aber «Spielraum». Drittens der Franken, der in solchen Phasen als sicherer Hafen gefragt ist; der Dollar kostete in der Nacht rund 0,83 Franken. Asien reagiert bereits: Staaten legen Ölvorräte an und bauen erneuerbare Energien schneller aus (Reuters). Shell hat in Katar die Anlage Pearl, die Erdgas zu Flüssigtreibstoff verarbeitet, teilweise wieder angefahren (Reuters). Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln kehrte nach langem Einsatz im Nahen Osten nach San Diego zurück, wie AP und Le Temps melden. Das lässt sich als Zeichen der Entspannung lesen, ist aber kein Beleg dafür, dass die Gefahr abnimmt. Heute beobachten wir, ob sich Öl- und Luftfahrtmärkte beruhigen und ob Iran seine Drohungen in Taten umsetzt.